Inge kleidete sich in ihr bestes Gewand, zog neue Schuhe an, hob ihr Kleidchen leicht an und ging vorsichtig die Straße entlang, bemüht, ihre Schuhe nicht schmutzig zu machen – nun, dafür kann man ihr keinen Vorwurf machen. Doch dann bog der Pfad auf sumpfigen Boden ab; es galt, eine schmutzige Pfütze zu durchqueren. Ohne lange zu überlegen, warf Inge ihr Brot in die Pfütze, um darauf zu treten und die Pfütze zu überschreiten, ohne ihre Füße nass zu machen. Doch kaum hatte sie mit einem Fuß auf das Brot getreten und den anderen angehoben, um auf trockenen Boden zu schreiten, begann das Brot mit ihr immer tiefer und tiefer in die Erde zu sinken – nur schwarze Blasen stiegen in der Pfütze auf!
Das ist die Geschichte!
Wohin geriet Inge? Zur Sumpfhexe in ihre Brauerei. Die Sumpfhexe ist die Tante der Waldteufel und der Waldjungfern; diese sind allen bekannt: Von ihnen ist in Büchern geschrieben, Lieder sind gedichtet, und auf Bildern wurden sie schon oft dargestellt; von der Sumpfhexe jedoch weiß man sehr wenig; nur wenn im Sommer über den Wiesen Nebel aufsteigt, sagen die Leute: „Die Sumpfhexe braut Bier!" Also genau dorthin, in ihre Brauerei, stürzte Inge hinab, und dort hält man es nicht lange aus! Eine Kloake ist ein heller, prächtiger Saal im Vergleich zur Brauerei der Sumpfhexe! Von jedem Bottich steigt ein Gestank auf, der einen Menschen zum Erbrechen bringt, und solcher Bottiche gibt es hier unzählige, und sie stehen dichtgedrängt nebeneinander; findet sich doch zwischen einigen irgendwo eine kleine Ritze, so stößt man sofort auf zusammengekauerte, nasse Kröten und fette Frösche. Ja, dahin geriet Inge! Mitten in diesem kalten, klebrigen, widerwärtigen, lebenden Brei angekommen, zitterte Inge und spürte, wie ihr Körper zu erstarren begann. Das Brot klebte fest an ihren Füßen und zog sie hinter sich her, wie ein Bernsteinstückchen einen Strohhalm.
Die Sumpfhexe war zu Hause; die Brauerei wurde an diesem Tag von Gästen besucht: vom Teufel und seiner Urgroßmutter, einer giftigen alten Frau. Sie ist niemals müßig, selbst wenn sie zu Besuch geht, nimmt sie irgendeine Handarbeit mit: entweder näht sie Schuhe aus Leder, die, sobald man sie anzieht, den Träger ruhelos machen, oder sie stickt Verleumdungen, oder schließlich strickt sie unbedachte Worte, die den Menschen von der Zunge schlüpfen – alles zum Schaden und Verderben der Menschen! Ja, des Teufels Urgroßmutter ist eine Meisterin im Nähen, Sticken und Stricken!
Sie erblickte Inge, rückte ihre Brille zurecht, betrachtete sie noch einmal und sagte:
„Diese hat Anlagen! Ich bitte Euch, sie mir zum Andenken an den heutigen Besuch zu überlassen! Aus ihr wird eine ausgezeichnete Statue für die Vorhalle meines Urenkels!"
Die Sumpfhexe überließ ihr Inge, und das Mädchen gelangte in die Hölle – Menschen mit Anlagen können dorthin auch nicht auf direktem Weg, sondern auf Umwegen gelangen!
Die Vorhalle erstreckte sich ins Unendliche; blickte man nach vorn, wurde einem schwindelig, blickte man zurück, ebenso. Die ganze Vorhalle war vollgestopft mit erschöpften Sündern, die erwarteten, dass sich jeden Augenblick die Türen der Barmherzigkeit öffnen würden. Lange mussten sie warten! Riesige, fette, von einer Seite zur anderen watschelnde Spinnen hatten ihre Beine mit tausendjährigem Gespinst umwickelt; es schnürte sie ein wie Zangen, fesselte sie stärker als eiserne Ketten. Außerdem wurden die Seelen der Sünder von ewiger, qualvoller Angst gepeinigt. Der Geizige beispielsweise quälte sich damit, dass er den Schlüssel im Schloss seines Geldkastens stecken gelassen hatte, andere... ja, es würde kein Ende nehmen, wollte man alle Qualen und Peinigungen aller Sünder aufzählen!
Inge musste den ganzen Schrecken der Lage einer Statue erfahren; ihre Füße waren wie an das Brot geschraubt.
„Nun sei nur ja sauber! Ich wollte meine Schuhe nicht schmutzig machen, und siehe, wie es mir jetzt ergeht!", sprach sie zu sich selbst. – „Schaut mich nur alle an!" Tatsächlich starrten alle Sünder sie an; böse Leidenschaften leuchteten in ihren Augen, die ohne Worte sprachen; Grauen packte einen beim bloßen Anblick!
„Nun, auf mich lässt sich doch wenigstens angenehm schauen!", dachte Inge. – „Ich bin selbst hübsch und fein gekleidet!" Und sie richtete ihre Augen auf sich selbst – ihr Hals ließ sich nicht drehen. Ach, wie sie sich in der Brauerei der Sumpfhexe beschmutzt hatte! Daran hatte sie gar nicht gedacht! Ihr Kleid war ringsum mit Schleim bedeckt, ein Unke hatte sich in ihre Haare verbissen und schlug ihr gegen den Hals, und aus jeder Falte ihres Kleides lugten Kröten hervor, die bellten wie fette, heisere Möpse. Es war entsetzlich unangenehm! „Nun, die anderen hier sehen auch nicht besser aus als ich!", tröstete sich Inge.
Am schlimmsten aber war das Gefühl eines furchtbaren Hungers. Sollte es ihr denn unmöglich sein, sich hinunterzubeugen und ein Stückchen von dem Brot abzubrechen, auf dem sie stand? Nein, ihr Rücken beugte sich nicht, Hände und Füße bewegten sich nicht, sie war wie versteinert und konnte nur ihre Augen in alle Richtungen bewegen, ringsum, ja, sie konnte sie sogar aus den Höhlen drehen und nach hinten schauen. Pfui, wie hässlich das aussah! Und dazu kamen noch Fliegen, die begannen, über ihre Augen hin und her zu kriechen; sie blinzelte mit den Augen, doch die Fliegen flogen nicht weg – ihre Flügel waren ausgerupft, und sie konnten nur kriechen. Das war eine Qual! Und dazu noch dieser Hunger! Schließlich schien es Inge, als hätten ihre Eingeweide sich selbst aufgefressen, und in ihrem Inneren wurde es leer, furchtbar leer!