Die Erzählung handelt von den jütländischen Dünen, doch beginnt sie nicht dort, sondern weit, weit im Süden, in Spanien: denn das Meer verbindet alle Länder; versetze dich also im Geiste nach Spanien! Wie warm es dort ist, wie wunderbar! Zwischen dunklen Lorbeerbäumen schimmern purpurne Granatblüten; ein kühler Lüftchen weht von den Bergen herab über die Orangenhaine und die prächtigen maurischen Galerien mit vergoldeten Kuppeln und bemalten Wänden. Durch die Straßen ziehen Prozessionen von Kindern, mit Kerzen und flatternden Fahnen in den Händen, und hoch über den Gassen der Stadt breitet sich ein klarer, reiner Himmel aus, besät mit leuchtenden Sternen! Gesänge erklingen, Kastagnetten klappern, Jünglinge und Mädchen wirbeln im Tanz unter dem Schatten blühender Akazien; ein Bettler sitzt auf den Stufen einer marmornen Treppe, stillt seinen Durst mit einer saftigen Wassermelone und versinkt darauf wieder in seinen gewohnten Schlummer, in süßen Schlaf! Ja, alles hier gleicht einem wunderbaren Traum! Alles lockt zur süßen Trägheit, zu wundersamen Träumereien! Solchen wachen Träumen ergab sich auch das junge Brautpaar, überschüttet mit allen irdischen Gütern; alles war ihm gegeben: Gesundheit, Glück, Reichtum und eine ehrenvolle Stellung in der Gesellschaft.
„Glücklicher als wir kann niemand sein!", sagten sie aufrichtig; und dennoch stand ihnen bevor, die Leiter menschlichen Wohlergehens noch eine Stufe höher zu steigen, falls Gott ihnen das erwartete Kind schenken würde, einen Sohn, ein lebendiges Abbild ihrer selbst, sowohl körperlich als auch geistig.
Ein glückliches Kind! Ihm würden allgemeiner Jubel, zärtlichste Pflege und Liebe sowie alles Wohlergehen zuteilwerden, das Reichtum und vornehme Verwandtschaft einem Menschen nur bieten können.
Das Leben war für sie ein ewiges Fest.
„Das Leben ist eine barmherzige Gabe der Liebe, beinahe zu groß, unermesslich!", sagte die Gemahlin. „Und sich vorzustellen, dass diese Fülle des Glücks noch dort, jenseits des irdischen Daseins, wachsen soll, bis ins Unendliche wachsen!... Wahrlich, ich vermag diesen Gedanken kaum zu fassen, so unermesslich ist er!"
„Doch er ist allzu vermessen!", antwortete der Gatte. „Ist es nicht im Grunde vermessen, sich einzubilden, dass uns ein ewiges Leben erwartet... wie den Göttern? Den Göttern gleich zu werden – diesen Gedanken hat doch den Menschen die Schlange eingeflößt, der Vater der Lüge!"
„Zweifelst du denn nicht an einem zukünftigen Leben?", fragte die junge Gemahlin, und gleichsam zog zum ersten Mal eine dunkle Wolke über den wolkenlosen Horizont ihrer Gedanken.
„Die Religion verheißt es uns, die Priester bestätigen diese Verheißung!", sagte der junge Gatte. „Doch gerade jetzt, da ich mich auf dem Gipfel des Glücks fühle, erkenne ich, wie hochmütig, wie vermessen es von unserer Seite ist, nach diesem Leben noch ein anderes zu fordern, eine Fortsetzung unseres Glücks zu verlangen! Ist uns nicht bereits hier, in diesem Leben, so viel gegeben, dass wir nicht nur können, sondern uns sogar vollkommen damit begnügen müssen?"
„Ja, uns ist viel gegeben", entgegnete die Frau, „doch für wie viele Tausende von Menschen ist das irdische Leben eine einzige Prüfung; wie viele sind von Geburt an Armut, Erniedrigung, Krankheit und Unglück preisgegeben! Nein, wenn auf dieses Leben kein anderes folgte, wären die irdischen Güter allzu ungleich verteilt, und Gott wäre nicht der allgerechte Richter!"
„Auch der bettelnde Landstreicher hat seine Freuden, die auf ihre Weise denen eines Königs, des Besitzers eines prächtigen Palastes, in nichts nachstehen!", antwortete der junge Mann. „Und empfindet denn nicht, deiner Meinung nach, das Lastvieh, das geschlagen, ausgehungert und durch Arbeit gequält wird, die Schwere seines irdischen Loses? Kann also nicht auch das Tier ein Leben nach dem Tod für sich beanspruchen und seine niedrige Stellung in der Reihe der anderen Geschöpfe als ungerecht betrachten?"
„In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen", sprach Christus!", entgegnete die junge Frau. „Das Himmelreich ist grenzenlos, ebenso wie die Liebe Gottes! Auch die Tiere sind Seine Geschöpfe, und meiner Meinung nach geht kein einziges lebendes Wesen zugrunde, sondern jedes erreicht jene Stufe des Glücks, zu der es fähig ist emporzusteigen!"
„Nun, mir genügt schon dieses Leben!", sagte der Mann und umarmte seine schöne Frau. Der Rauch seiner Zigarette zog vom offenen Balkon hinaus in die kühle, vom Duft der Orangenblüten und Nelken durchtränkte Luft; von der Straße drangen Gesänge und das Klappern der Kastagnetten herauf; über ihren Häuptern funkelten die Sterne, und in die Augen des Mannes blickten die zarten Augen seiner Gemahlin, die vom Feuer unendlicher Liebe leuchteten.
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