Wer nicht hören will, muss nicht lauschen, doch das Lügen soll man nicht stören.
Ein alter Mann hatte drei Söhne: einer war lahm – der jagte schmerzlich im Wettlauf, und der dritte, obwohl er klumpfüßig war, wusste nur Krähen zu zählen.
Einst gingen die Söhne des Alten in den Wald, um Holz zu hacken. Während der Lahme sich zur Arbeit rüstete, während der Beinlose sich kratzte und der Klumpfüßige alle Krähen durchgezählt hatte, siehe da – brach schon der Abend herein. Zeit, das Abendessen zu kochen, doch kein Feuer war da… Was tun, wie dem Leid abhelfen? Der Lahme war klug, der Beinlose listig, und der Klumpfüßige einfallsreich: Die drei Brüder fällten eine große Kiefer von zwei Umfängen, spalteten sie in Scheite, schichteten sie zu einem hohen Haufen auf, und der Klumpfüßige kletterte ganz nach oben, um Ausschau zu halten, wo man ein wenig Feuer bekommen und ein Lagerfeuer entfachen könnte.
Er schaute und schaute – und sah tatsächlich, dass auf einer Seite mitten im Wald ein Lichtlein schimmerte. Der ältere Bruder, der Lahme, machte sich auf den Weg zum Feuer. Am Lagerfeuer saß ein alter Mann. „Guten Tag, Großvater, gib uns etwas Feuer." – „Tanz erst, dann gebe ich es." – „Ich kann nicht tanzen." – „Nun, sing ein Lied." – „Habe es nicht gelernt." – „Nun, erzähle eine Geschichte." – „Dazu bin ich nicht imstande." „Wenn dem so ist", sprach der Alte, „dann mach dich fort, von wo du gekommen bist, für dich gibt es kein Feuer!" Der Lahme kehrte unverrichteter Dinge zurück. „Ach du Feigling!", sagte ihm der Beinlose. „Jetzt muss ich gehen." Der Beinlose ging – und kehrte ebenfalls mit leeren Händen zurück.
Nun kam die Reihe an den jüngsten Bruder, den Klumpfüßigen. Auch er gelangte zum Alten. „Guten Tag, Großvater!" – „Guten Tag, Nachbarlein." – „Gib mir, Großvater, etwas Feuer." – „Dann tanz erst, erfreue mich, den Alten." – „Ich kann nicht; was soll ein Hinkender!" – „Nun, sing ein fröhliches Lied." – „Ach, zum Singen bin ich wirklich nicht imstande." – „Wenn dem so ist, dann erzähle wenigstens eine Geschichte." – „Das ist meine Sache. Nur eine Bedingung: Ich werde erzählen, und du unterbrichst mich nicht. Wenn du unterbrichst oder sagst, ich lüge, dann zahlst du mir hundert Rubel." „Abgemacht!", sprach der Alte und setzte sich neben den Klumpfüßigen, mit seiner Glatze zum Feuer gewandt – ach, welch eine große und helle Glatze war das! Da begann der Klumpfüßige zu erzählen:
„Ich lebte mit meinem jüngeren Großvater, als er noch nicht verheiratet war und mein Vater noch nicht geboren, aus dem einfachen Grund, weil, als die Welt begann, ich sieben Jahre alt war. Damals lebten wir überaus reichlich: Vor Nacktheit und Barfußsein brachen die Stangen. Unser Haus war groß: Die Schwelle lag auf der Erde, und gleich dort war auch die Decke – zwar konnte man nicht darin sitzen, doch anzusehen war es schön. Vögel hatten wir – ein einziges Huhn, kupfernes Geschirr – ein Kreuz und ein Knopf, Vieh – eine Schabe und ein Rüsselkäfer, und im Gespann – zwei kahle Katzen und noch ein Passgänger-Kater. Und wie viel Land wir hatten – das konnte kein Auge überblicken: Boden und Bänke besäten sich selbst, während Ofen und Pritsche wir zur Miete vergaben. Wir säten auf dem Boden Gerste, doch für die Bänke reichte das Saatgut nicht. Und unsere Gerste wuchs hoch und dicht; eine Ratte nistete sich darin ein; als unsere kahle Katze sie fangen wollte – verirrt sie sich derart, dass sie noch heute herumirrt… Wir ernteten jene Gerste, doch hatten keinen Platz, sie zu lagern. Ich, obwohl der Jüngste, war doch an Verstand der Größte – ich kam auf den Gedanken, einen Schober auf dem Ofenpfeiler zu errichten… Doch meine Großmutter war überaus flink – drei Jahre lang kletterte sie zum Ofen, kletterte und kletterte, neigte sich vor, brach entzwei und ließ unseren Schober in den Trog fallen. Der Großvater heulte, ich schrie… Die Großmutter nähten wir mit Bast zusammen – so lief sie noch zehn Jahre umher, und die Gerste holten wir aus dem Trog, trockneten sie, droschen sie und brauten Bier. Wir brauten zwei Biere: eines war dünn, das andere – wie Wasser. Trinkt man von irgendeinem einen Krug – wird man völlig zum Narren; doch wenn man einem Gast ein Glas reicht, ihn an den Haaren schüttelt und ihm mit einem Knüppel über den Hinterkopf haut – dann fällt er sofort um… Hörst du mir zu, Großvater?" – und dabei schlug er dem Großvater mit dem Fäustling auf die Glatze! „Ich höre zu, Licht!"
„Nun, gut. Wir hatten von allem viel: neunzig ohne hundert Geldstücke – wir konnten sie einfach nicht zählen. Und wahrlich: Solches Geld hatte man nirgends hinzulegen, und einen Sack zu kaufen, dafür fehlte es… Zudem hatten wir ein schimmeliges Pferd, und mir widerfuhr folgendes Wunder: Einmal ritt ich darauf in den Wald, um Holz zu hacken, und die Axt trug ich hinten am Gürtel. Ich ritt im Trab: trup-trup, doch die Axt schlug gegen das Pferd: tuk-tuk! Sie schlug und schlug und hackte dem Pferd schließlich das ganze Hinterteil ab… Hörst du mir zu, Großvater?" – und dabei schnippte er dem Großvater mit dem Fäustling gegen die Glatze! „Ich höre zu, Licht."
„Auf dem Vorderteil fuhr ich drei Jahre lang. Einmal ritt ich durch den Wald, siehe da – das Hinterteil meines Pferdes weidete auf einer Lichtung. Ich fing es ein, legte ihm einen Zaum an und nähte es danach mit einer Birkenrute wieder an das Vorderteil. Die Birke wuchs derart empor, dass das Pferd sie kaum noch auf seinem Rücken tragen konnte – sie wuchs hoch, sehr hoch. Ich beschloss, an der Birke emporzuklettern. Ich klettere und klettere, doch sie wächst und wächst, bis sie an eine Wolke stieß. Ich klammerte mich an die Wolke und kroch hinauf. Ich ging umher und schaute mich um: nichts war da… Hörst du mir zu, Großvater?" – und dabei schnippte er dem Großvater mit dem Fäustling gegen die Glatze! „Ich höre zu, Licht!"
„Nun beschloss ich, wieder zur Erde hinabzusteigen. Siehe da, mein Großvater hatte mein Pferd zum Tränken weggetrieben: es gab nichts, woran ich hätte hinabklettern können. So blieb ich auf der Wolke wohnen, hungerte und darbte: ich magerte völlig ab. Und infolge dieser Abmagerung nisteten sich bei mir ziemlich große Flöhe ein. Damals war ich einfallsreich: Ich fing die Flöhe, zog ihnen die Häute ab und flocht daraus ein Seil; ich flocht ein langes Seil, band es mit einem Ende an die Wolke und begann hinabzusteigen. Zum Unglück reichte das Seilchen nicht: zur Erde war es weit, zur Wolke hoch – was tun? Doch ich ersann etwas: Oben schneide ich ein Stück ab und setze es unten an, schneide ab und setze an, schneide ab und setze an…
Doch hörst du mir zu, Großvater?" – und dabei schlug er dem Großvater mit dem Fäustling auf die Glatze! „Ich höre zu, Licht; und all deine Worte sind die reine Wahrheit!"
„Ich schnitt und schnitt; es kam soweit, dass nichts mehr anzusetzen war. Ich sitze da, gräme mich nicht, schaue mich um: Ein Bauer worfelt Hafer, die Spreu fliegt empor. Schnell fing ich die Spreu ein und flocht daraus ein Seil; ich flocht und flocht und flocht, eine tote Ratte verflichtend. Ohne rechten Grund erwachte die Ratte zum Leben und zerbiss das Seil. Wie ich nun hinabflog… Ich flog und flog, flog und flog, flog und flog… Hörst du mir zu, Großvater?" – „Ich höre zu, Licht." – „Ach, zum Teufel mit dir!… Gut. Wie lange ich flog, das kannst du nicht einmal für hundert Rubel sagen, und ich stürzte in einen Sumpf, in ein Moor bis zum Mund hinein; ich wollte Wasser trinken, doch den Hals konnte ich nicht neigen. Ein Fuchs kam herbei, baute auf meinem Kopf ein Nest, brachte sieben Füchslein zur Welt. Ein Wolf des Weges kam, entführte die Füchslein, doch ich успел ihn am Schwanz packen. Wie ich mich festklammerte und schrie: tü-tü-tü! Da zog mich der Wolf aus dem Moor."
Dem Klumpfüßigen droht völliges Unglück: Bald hat er nichts mehr zu erzählen, doch der Alte widerspricht nicht, unterbricht nicht. Man muss, koste es, was es wolle, weiter erzählen, um sein Ziel zu erreichen.
Geprüfter Text