Kunstmärchen

Das Märchen vom Zaren Saltan

Eine junge Königin und ihr Sohn überleben durch göttliche Fügung und magische Hilfe einen hinterhältigen Mordversuch neidischer Frauen, bauen ein wunderbares Reich auf und führen schließlich den ahnungslosen Vater durch List und Geduld zur versöhnlichen Wiedererkennung.

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Das Märchen vom Zaren Saltan

Drei Jungfrauen unterm Fenster

Spannen spät am Abendstund'.

„Wär' ich doch die Zarin nun", –

Sprach die eine Jungfrau drum, –

„Für die ganze Christenheit

Rüstet' ich ein Festmahl weit."

„Wär' ich doch die Zarin nun", –

Sprach darauf ihr Schwesterlein, –

„Für die ganze Welt allein

Webt' ich Leinen fein und rein."

„Wär' ich doch die Zarin nun", –

Sprach die dritte Schwester dann, –

„Für den Vater, unseren Zar,

Trüg' ich einen Helden zur Wahr'."

Kaum hatte sie dies ausgesprochen,

Knarrte leise Tür gebrochen,

Und in die Stube tritt der Zar,

Herrscher jenes Landes wahr.

Während all dem Wortgefecht

Stand er hinter'm Zaun gerecht;

Rede letzter, ganz gewiss,

Hat ihm wohlgefallen sis.

„Sei gegrüßt, du schöne Maid", –

Spricht er, – „werde Zarin breit

Und gebär' mir einen Held

Bis September dieser Welt.

Ihr jedoch, ihr Tauben rein,

Verlasst diese Stube klein,

Folgt mir nach auf meiner Fahrt,

Folgt mir und der Schwester zart:

Eine werde Weberin,

And're Köchin soll sie sein."

In das Vorhaus trat der Zar-Vater.

Alle eilten zum Palast später.

Lange zögerte der Zar nicht:

Noch am Abend traute er sich.

Zar Saltan beim Festmahl ehrsam

Saß mit junger Zarin zusammen;

Drauf die ehrenwerten Gäste

Legten auf ein Bett von Elfenbeine Reste

Das junge Paar behutsam nieder

Und ließen sie allein hinwieder.

In der Küche zürnt die Köchin,

Weint am Webstuhl die Gewöbnerin,

Und sie neiden beide sehr

Des Herrschers Gemahlin mehr.

Doch die junge Zarin klug,

Ohne Aufschub, ohne Trug,

Trug vom ersten Nachtbeginn

Schon ein Kind in ihrem Sinn.

Damals wütete der Krieg.

Zar Saltan, von Frau geschieden,

Stieg aufs gute Ross beschieden,

Bat sie, sich in Liebe hier

Zu bewahren für ihn wir.

Während er in weiter Ferne

Kämpft lang' und grausam gerne,

Naht die Zeit der Niederkunft;

Gott gab Sohn in Arschelsunst,

Und die Zarin über'm Kinde

Wie ein Adler über'm Winde;

Sendet Boten mit Brief sacht,

Um zu freun den Vater macht.

Doch die Weberin und Köchin,

Mit der Gevatterin Babarichin,

Wollen sie zugrunde richt',

Heißen abfangen den Botenlicht;

Selbst senden sie Boten anderen

Mit genau diesen Worten wandern:

„Gebar die Zarin in der Nacht

Nicht Sohn noch Tochter bracht;

Nicht Mäuslein, nicht Frosch klein,

Nein, ein unbekanntes Tier allein."

Als der Zar-Vater vernahm,

Was der Bote brachte jammernd,

Zürnte er voll Wundergram

Und wollt' hängen diesen Mann;

Doch erweicht zu dieser Stund',

Gab er diesem Boten Kund':

„Warten auf des Zaren Kehre

Für rechtsgültige Schwere."

Reitet mit dem Brief der Bote,

Kam endlich an ohne Note.

Doch die Weberin und Köchin,

Mit der Gevatterin Babarichin,

Heißen ihn berauben ganz,

Trinken ihn bis zum Tanz,

Stecken in den leeren Sack

Einen andern Brief zurückpack –

Und so brachte trunk'ner Bote

Noch am Tag denselben Quote:

„Der Zar befiehlt seinen Bojaren,

Ohne Zeitverlust zu sparen,

Sowohl Zarin als auch Brut

Heimlich werfen in Meeresflut."

Keine Wahl: die Bojaren trauern,

Leid um Herrscher und um Bauern

Und die junge Zarin sehr,

Kamen haufenweise her.

Verkündeten des Zaren Willen –

Ihr und Sohn das Los zu stillen,

Lasen laut den Befehl vor,

Und die Zarin gleich empor

Ward mit Sohn ins Fass getan,

Pech verschmiert, rollt' man sodann

Und stieß hinaus ins Ozean –

So befahl ja Zar Saltan.

Am blauen Himmel Sterne glänzen,

Im blauen Meer Wellen tänzen;

Wolke zieht am Himmel fort,

Fass treibt auf dem Meer dort.

Wie betrübte Witwe schreit,

Weint und schlägt die Zarin leid;

Und das Kind wächst dort heran

Nicht nach Tagen, nein, nach Plan.

Tag verging, die Zarin klagt...

Doch das Kind die Welle fragt:

„Du, meine Welle, frei und wild!

Du spielst und bist ungezähmt im Bild;

Schlägst, wohin du immer willst,

Meeressteine du durchdrillst,

Spülst hinweg das Landgestade,

Hebst empor Schiffe zur Wade –

Verdirb nicht unsere Seele rein:

Wirf uns aus ans Land allein!"

Und die Welle hört sogleich:

Trug das Fass ans Land weich

Und zog sich leis zurück dann,

Ließ Mutter und Kind fortan.

Mutter samt dem Kind gerettet;

Fühlt nun Erde, nichts zerfetzt.

Doch wer holt sie aus dem Fass?

Gott verlässt sie doch nicht, lass'?

Sohn erhob sich auf die Bein',

Stieß mit Kopf ins Bodenrein,

Strengte sich ein wenig an:

„Wie mach'n wir hier ein Fensterplan?" –

Sprach er, schlug den Boden ein

Und trat heraus ins Freie rein.

Mutter und Sohn nun frei sind;

Sehn im weiten Feld ein Hind,

Ringsum blaues Meer so klar,

Über'm Hügel Eiche war.

Sohn gedacht: Gutes Essen

Wär' uns jetzt doch nicht vergessen.

Brach vom Baum einen Ast stark

Und bog ihn zum Bogen mark,

Seidenfaden vom Kreuz nahm,

Spannt' ihn auf den Eichenstamm,

Brach ein Röhrlein dünn und fein,

Machte Pfeilspitz' daraus rein

Und ging hin zum Talrand schier

Suchen Wild am Meerrevier.

Kaum erreicht er Meeresstrand,

Hört er ächzen wie im Band...

Offenbar ist Meer nicht still;

Schaut – sieht schlimmes Unglückswill':

Schwan kämpft mitten in der Flut,

Geier kreist darüber mut;

Armes Ding so planscht und spritzt,

Trübt das Wasser, peitscht und blitzt...

Jener spreizt schon Klauen weit,

Wetzt den blut'gen Schnabel breit...

Doch genau da sang der Pfeil,

Traf des Geiers Hals zum Heil –

Geier ließ im Meer sein Blut,

Prinz senkte den Bogen gut;

Sieht: Der Geier sinkt ins Meer

Und stöhnt nicht wie Vögel sehr,

Schwan schwimmt nah dabei herum,

Pickt den bösen Geier dumm,

Eilt dem nahen Tod entgegen,

Schlägt mit Flügel, lässt ihn legen –

Und spricht dann zum Prinzen klar

In russischer Sprache wahr:

„Du, mein Prinz, mein Retter wert,

Mein gewalt'ger Helferährt,

Traure nicht, dass wegen mir

Du drei Tage fasten wir,

Dass der Pfeil im Meer verschwand;

Dieses Leid ist kein Verstand.

Vergelt' ich dir mit Gutem bald,

Diene dir danach im Wald:

Nicht den Schwan hast du befreit,

Nein, ein Mädchen lebt bereit;

Nicht den Geier hast getötet,

Sondern Zauberer erschödet.

Nimmer werd' ich dich vergessen:

Findest mich an allen Stellen,

Doch nun kehr zurück geschwind,

Sei nicht traurig, schlaf geschwind."

Flog davon die Schwanenvogel,

Prinz und Mutter, ohne Mogel,

Nachdem Tag verbracht so sehr,

Legten hungrig sich zur Wehr.

Da öffnet Prinz die Augen hell;

Schüttelt nächt'ge Träume schnell

Und staunt, vor sich sehend klar:

Stadt groß, wunderbar sogar,

Mauern mit gezackten Zinnen,

Hinter weißen Mauern innen

Glänzen Kuppeln Kirchengebäude

Und heil'ger Klöster Freude.

Eilt, die Zarin zu erwecken;

Die erschrickt! „Wird's so schmecken? –

Spricht er, – seh' ich recht und wahr:

Mein Schwan freut sich offenbar."

Mutter und Sohn gehn zur Stadt.

Kaum betraten sie den Pfad,

Betäubendes Geläut erschallt

Ringsumher mit Macht gewallt:

Volk strömt ihnen entgegen dar,

Chor lobpreist Gott wunderbar;

In gold'nen Wagen prächtig fein

Empfängt Hof sie groß und rein;

Alle rufen laut ihren Namen

Und krönen Prinz mit Ruhmesrahmen

Mit Fürstenhut, zum Haupt erhoben,

Rufen ihn als Herrn dort oben;

Und inmitten seiner Stadt,

Mit Erlaubnis Zarin satt,

Ward er Fürst noch selben Tag

Und nannte sich: Fürst Gwidon lag.

Wind spielt auf dem Meer frei,

Treibt Schifflein vorbei;

Es läuft durch Wellen schnell

Mit geblähten Segeln hell.

Schiffer staunen voller Pracht,

Drängen sich auf Schiff zur Wacht,

Sehn auf bekannter Insel klar

Wunder wirklich, offenbar:

Neue Stadt mit gold'nem Dach,

Hafen mit starkem Wach';

Kanonen feuern vom Gestade,

Heißen Schiff landen zur Wade.

Landen Gäste bei der Pforte;

Fürst Gwidon lädt sie zum Worte,

Speist und tränkt sie freundlich sehr

Und verlangt Antwort mehr:

„Welchen Handel treibt ihr, Gäste,

Und wohin geht eure Reise Beste?"

Schiffer antworten darauf:

„Umfuhren wir die Welt im Lauf,

Handelten mit Zobelfellen,

Schwarzfüchsen, die uns gefallen;

Doch nun ist die Frist erreicht,

Fahren ostwärts direkt leicht,

Vorbei an Insel Buyan,

Ins Reich des ruhmreichen Saltan..."

Fürst sprach ihnen damals zu:

„Guten Weg, ihr Herren nu,

Über Meer und Ozean

Zum ruhmreichen Zar Saltan;

Grüßt ihn herzlich von mir hier."

Gäste fort, doch Fürst Gwidon

Vom Strand mit traurigem Sinn schon

Begleitet ihre ferne Fahrt;

Sieh – über fließendem Gewässer zart

Schwimmt weißer Schwan daher.

„Sei gegrüßt, mein Fürst so sehr!

Warum bist du still und schwer

Wie ein trüber Wettertag?

Was betrübt dich ohne Frag'?" –

Spricht sie zu ihm freundlich dar.

Fürst antwortet trüb und wahr:

„Gram und Sehnsucht fressen mich,

Überwältigen jämmerlich:

Sehen möcht' ich meinen Vater."

Schwan zum Fürsten: „Das ist Matter!

Hör nun: Willst du übers Meer

Fliegen hinter'm Schiff daher?

Sei denn, Fürst, ein Komar leer."

Schlug mit Flügeln laut und hell,

Spritzte Wasser шумно quell

Und bespritzte ihn ganz und gar

Von Kopf bis Fuß wunderbar.

Schrumpfte er zum Punkt sogleich,

Wurde Mücke, klein und weich,

Flog davon und piepste fein,

Holte Schiff auf Meer allein,

Senkte sich behutsam nieder

Auf das Schiff – und kroch hinein wieder.

Wind rauscht fröhlich überall,

Schiff läuft fröhlich durch das All

Vorbei an Insel Buyan,

Hin zum Reich des Saltan,

Und das Land, so sehr begehrt,

Ist schon fernher sichtbar währt.

Gäste landeten am Strand;

Zar Saltan lädt sie zum Land,

Und hinter ihnen ins Schloss

Flog unser Held ohne Loss.

Sieht: Ganz strahlend in Goldesschein,

Sitzt Zar Saltan im Saal allein

Auf Thron und Krone hoch erhöht

Mit trübem Denken im Gesicht rot;

Und die Weberin und Köchin,

Mit der Gevatterin Babarichin,

Sitzen rings um Zaren dort

Und starren ihm ins Auge fort.

Zar Saltan setzt Gäste ein

An seinen Tisch und fragt fein:

„O ihr Gäste, edle Herrn,

Lang gereist? Wohin so gern?

Jenseits Meer wohl oder schlecht?

Welches Wunder in der Welt recht?"

Schiffer antworten darauf:

„Umfuhren wir die Welt im Lauf;

Jenseits Meer ist Leben gut,

Doch dies Wunder steht im Mut:

Im Meer lag Insel steil und kahl,

Unbewohnt, öde überall;

Lag als leere Ebene da,

Nur eine Eiche wuchs etwa;

Doch nun steht darauf gebaut

Neue Stadt mit Palast laut,

Mit goldbekrönten Kirchen rein,

Mit Gemächern und Gärten fein,

Und darin sitzt Fürst Gwidon;

Sandte dir seinen Gruß schon."

Zar Saltan staunt über Wunder;

Spricht: „Solang' ich leb' darunter,

Besuch' ich die Wunderinsel klar,

Bei Gwidon verweil' ich daar."

Doch die Weberin und Köchin,

Mit der Gevatterin Babarichin,

Wollen nicht

ihn ziehen lassen

Die wunderbare Insel zu besuchen.

„Wahrlich, ein Wunder, ganz gewiss", zwinkerte listig sie gewiss, sprach die Köchin mit Bedacht: „Eine Stadt am Meere pracht! Wisst, dies ist kein leerer Scherz: Eine Tanne steht im Herz des Waldes, unter ihr ein Eichhorn fein, singt Lieder und knabbert Nüsslein klein; doch die Nüsse sind nicht gewöhnlich, ihre Schalen goldig schönlich, und der Kern – rein Smaragd grün; das nennt man ein Wunderkühn."

König Saltan staunt sehr darüber, doch die Mücke zürnt nur immer, immer; und sie stach genau zur Stund der Tante direkt ins rechte Aug rund. Die Köchin wurde bleich sogleich, erstarrte und ward schielend gleich. Diener, Schwägerin und Schwester auch fangen schreiend diesen Hauch. „Verfluchtes Ding, du kleines Tier! Wir kriegen dich...!" Doch er hinaus hier, flog ruhig in sein eigen Reich über das Meer hinweg so gleich.

Wieder wandelt der Fürst am Strand, hält den Blick aufs blaue Meer gespannt; sieh, über fließenden Wogen klar schwimmt ein weißer Schwan daher. „Sei gegrüßt, mein schöner Fürst du mein! Warum bist du still wie Wetterpein? Was betrübt dein Herz so schwer?" spricht sie sanft zu ihm daher.

Fürst Gwidon antwortet ihr: „Kummer nagt an mir dafür; ein wundersames Wunder gern möcht ich haben, fern vom Herrn. Irgendwo eine Tanne steht, drunter ein Eichhorn fröhlich geht; ein Wunder, wahrlich, kein geringer Scherz – es singt Lieder mit frohem Herz, knabbert Nüsse ohne Rast, doch die Nüsse sind nicht von Last, ihre Schalen goldig hell, und der Kern – Smaragd so schnell; doch vielleicht lügen die Leut."

Der Schwan dem Fürsten Antwort deut: „Die Welt spricht Wahrheit über dies Tier; dies Wunder kenne ich, glaub mir. Genug nun, Fürst, du Seele mein, sei nicht traurig; gerne fein will ich dir dienen aus Freundschaft rein."

Mit ermutigtem Gemüte dann ging der Fürst nach Haus hinan; kaum betrat er den Hof so weit – was geschieht? Unter Tannenzweig breit sieht er vor aller Leute Blick ein Eichhorn knabbern goldiges Glück, nimmt Smaragde heraus geschwind, sammelt Schalen allewind, legt sie in gleiche Häuflein dar und pfeift dazu wunderbar vor allem Volk, das ehrlich schaut: Im Garten dort, wo Grün vertraut.

Fürst Gwidon staunte sehr dabei. „Nun, Dank sei dir", sprach er frei, „Ach, welch Schwan – Gott segne sie, dass mir gleiche Freude blüh."

Später baute der Fürst sodann für das Eichhorn ein Kristallhaus an, stellte Wachen davor bereit und befahl einem Schreiber zeit, streng Buch zu führen über jede Nuss. Dem Fürsten Gewinn, dem Eichhorn Gruss.

Der Wind spielt über das Meer so frei und treibt das Schiffchen mancherlei; es eilt durch Wellen, schnell und kühn, mit gehissten Segeln grün, vorbei an der steilen Insel Rand, vorbei an der großen Stadt am Strand: Kanonen donnern vom Kai herab, befehlen dem Schiff, zu suchen Lab.

Die Gäste legen an beim Tor, Fürst Gwidon lädt sie ein zuvor, speist und tränkt sie freundlich sehr und fragt nach ihrer Fahrt und mehr: „Welchen Handel treibt ihr, Gäste mein, und wohin soll eure Reise sein?"

Die Schiffer geben Antwort klug: „Wir umfuhren den Erdenzug, handelten mit Pferden gut, immer Don-Stuten, hochgemut; nun ist unsere Frist vorbei, und der Weg liegt fern und neu: vorbei an der Insel Buyan, ins Reich des ruhmreichen Saltan."

Da spricht der Fürst zu ihnen bald: „Gute Reise, edler Wald, über das Ozean-Meer so weit zum ruhmreichen König jederzeit; sagt ihm: Fürst Gwidon sendet hier seinen Gruß und Respekt zu dir."

Die Gäste neigten sich zum Dank, gingen hinaus auf ihren Gang. Zum Meer eilt der Fürst geschwind, dort schwimmt der Schwan im Wind. Der Fürst fleht: Die Seele begehrt, zieht und trägt ihn, unversehrt... Sofort bespritzt sie ihn erneut, im Nu verwandelt er sich heut: zur Fliege ward der Fürst gemacht, flog davon mit leiser Pracht, zwischen Meer und Himmelszelt aufs Schiff – und schlüpft in eine Spalt.

Fröhlich rauscht der Wind im Spiel, fröhlich eilt das Schiff zum Ziel, vorbei an der Insel Buyan Strand, ins Reich des ruhmreichen Saltan Land – und das ersehnte Land erscheint, schon von ferne uns vereint; die Gäste steigen an den Strand, König Saltan reicht ihnen Hand, und hinter ihnen ins Schloss hinein flog unser Held, so kühn und fein.

Er sieht: ganz strahlend golden klar, sitzt König Saltan offenbar auf Thron und Krone, prächtig anzusehn, mit trübem Sinn auf seinem Gehn. Doch die Weberin mit Babaricha und der schielenden Köchin sicherlich sitzen rings um den König dort, blicken wie böse Frösche fort.

König Saltan setzt die Gäste ein an seinen Tisch und fragt allein: „Oh ihr Gäste, hohe Herrn, wart ihr lange weg so gern? Wohin? Geht es gut jenseits des Meers, oder schlecht, und welches Wunder sah das Recht?"

Die Schiffer geben Antwort frei: „Wir umfuhren die Welt dabei; jenseits des Meers lebt man nicht schlecht, doch ein Wunder gibt's, das recht: Eine Insel liegt im Meer so breit, darauf eine Stadt in Herrlichkeit mit goldenen Kuppeln, Kirchen fein, mit Türmen und Gärten, reich und rein; eine Tanne wächst vor dem Palast, darunter ein Kristallhaus fast; dort lebt ein zahmes Eichhorn klein, welch ein Künstler mag es sein! Es singt Lieder, froh und laut, knabbert Nüsse, wohlgebaut; doch die Nüsse sind nicht gewöhnlich, ihre Schalen goldig schönlich, und der Kern – rein Smaragd grün; Diener hüten dieses Tier, dienen ihm auf mancher Art, ein Beamter ist bewahrt, führt streng Buch über jede Nuss; das Heer erweist ihm Ehr und Gruss; aus den Schalen prägt man Geld, bringt es in Umlauf durch die Welt; Mädchen schütten Smaragde rein in Speicher, tief und fein; alle auf der Insel sind so reich, kein Mangel, überall Palastgleich; und darin wohnt Fürst Gwidon; er entbietet dir seinen Lohn."

König Saltan staunt ob dieser Kunde. „Wenn ich lebe noch zur Stunde, werd ich jene Insel seh'n, bei Gwidon zu Gast einmal gehn."

Doch die Weberin, die Köchin auch, mit der Schwägerin Babaricha im Brauch, wollen ihn nicht ziehen lassen, die wunderbare Insel zu fassen. Leise lächelnd, hinterrücks, spricht die Weberin voll Tricks: „Was ist daran denn wunderbar? Ein Eichhorn knabbert Steine gar, wirft Gold in Haufen hier und dort, scharret Smaragde an jeden Ort; damit überraschst du uns nicht, ob Wahrheit oder Lüge spricht. Es gibt ein andres Wunder weit: Das Meer schwillt auf in Heftigkeit, kocht empor, erhebt Geschrei, stürzt ans leere Ufer frei, ergießt sich in lautem Lauf, und am Strand erscheinen drauf, in Schuppen, glühend wie Feuerbrand, dreiunddreißig Recken hand, alle schön und tapfer sehr, junge Riesen, stolz und hehr, alle gleich, wie ausgewählt, mit ihnen Onkel Tschernomor bestellt. Das ist ein Wunder, wahrlich groß, man kann es rühmen ohne Stoß!"

Die klugen Gäste schweigen still, wollen streiten nicht, wie man will. König Saltan staunt ob diesem Ding, doch Gwidon zürnt im inneren Ring... Er summte los und setzte sich der Tante links aufs Auge fix; die Weberin ward bleich sofort: „Ach!" und krümmte sich am Ort; alle schrien: „Fangt sie, fangt sie ein, zerquetscht sie, macht sie klein... Warte nur, halt kurz noch an, warte..." Doch der Fürst hinan, flog ruhig in sein eigen Reich über das Meer hinweg so gleich.

Der Fürst wandelt am blauen Meer, hält den Blick darauf so sehr; sieh, über fließenden Wogen klar schwimmt ein weißer Schwan daher. „Sei gegrüßt, mein schöner Fürst du mein! Warum bist du still wie Wetterpein? Was betrübt dein Herz so schwer?" spricht sie sanft zu ihm daher.

Fürst Gwidon antwortet ihr: „Kummer nagt an mir dafür – ein wunderbares Wunder gern möcht ich tragen in mein Lern." „Und welches Wunder meinst du nun?" – „Irgendwo wird das Meer in Tun aufschwellen wild, erheben Schrei, stürzen ans leere Uster frei, sich ergießen in lautem Lauf, und am Strand erscheinen drauf, in Schuppen, glühend wie Feuerbrand, dreiunddreißig Recken hand, alle schön und jung an Jahren, Riesen, tapfer und erfahren, alle gleich, wie ausgewählt, mit ihnen Onkel Tschernomor bestellt."

Der Schwan dem Fürsten Antwort deut: „Ist es dies, was dich erfreut? Sei nicht traurig, Seele mein, dies Wunder kenne ich, glaub fein. Diese Ritter aus dem Meeresschoß sind mir Brüder, nah und groß. Sei nicht traurig, geh nach Haus, erwarte deine Brüder draus."

Der Fürst ging, vergaß sein Leid, setzte sich auf Turm bereit, blickte aufs Meer; da plötzlich dort bewegte sich das Wasser fort, ergoss sich in lautem Lauf und ließ am Strand erscheinen drauf dreiunddreißig Recken hand, in Schuppen, glühend wie Feuerbrand; die Ritter schreiten Paar an Paar, und, silberweiß im Haar so klar, geht der Onkel vorn entlang und führt sie zur Stadt im Gang.

Von der Burg eilt Fürst Gwidon nieder, empfängt die teuren Gäste wieder; in Eile läuft das Volk herbei; der Onkel spricht zum Fürsten frei: „Der Schwan hat uns zu dir gesandt und gab uns Auftrag in die Hand: deine ruhmreiche Stadt zu hüten und Wache haltend zu behüten. Fortan werden wir täglich hier gemeinsam, fest und unverlier, an deinen hohen Mauern stehn, aus dem Meereshorizonte gehn; so sehen wir uns bald erneut, doch jetzt müssen wir ins Meer zurückzeit; die Luft der Erde drückt uns schwer."

Alle gingen heim danach sehr.

Der Wind spielt über das Meer so frei und treibt das Schiffchen mancherlei; es eilt durch Wellen, schnell und kühn, mit gehissten Segeln grün, vorbei an der steilen Insel Rand, vorbei an der großen Stadt am Strand: Kanonen donnern vom Kai herab, befehlen dem Schiff, zu suchen Lab.

Die Gäste legen an beim Tor, Fürst Gwidon lädt sie ein zuvor, speist und tränkt sie freundlich sehr und fragt nach ihrer Fahrt und mehr: „Welchen Handel treibt ihr, Gäste mein, und wohin soll eure Reise sein?"

Die Schiffer geben Antwort klug: „Wir umfuhren den Erdenzug, handelten mit Stahl so fein, mit reinem Silber, Gold allein; nun ist unsere Frist vorbei, und der Weg liegt fern und neu, vorbei an der Insel Buyan, ins Reich des ruhmreichen Saltan."

Da spricht der Fürst zu ihnen bald: „Gute Reise, edler Wald, über das Ozean-Meer so weit zum ruhmreichen König jederzeit. Sagt ihm doch: Fürst Gwidon sendet hier seinen Gruß und Respekt zu dir."

Die Gäste neigten sich zum Dank, gingen hinaus auf ihren Gang. Zum Meer eilt der Fürst geschwind, dort schwimmt der Schwan im Wind. Der Fürst wieder: Die Seele begehrt... zieht und trägt ihn, unversehrt... Und wieder bespritzt sie ihn sogleich, im Nu verwandelt er sich gleich. Hier wurde er sehr klein gemacht, als Hummel flog er in die Nacht, summte leis und flog davon, erreichte auf dem Meer den Thron, ließ sich sachte hinten nieder, auf das Heck – und kroch hineinieder.

Fröhlich rauscht der Wind im Spiel, fröhlich eilt das Schiff zum Ziel, vorbei an der Insel Buyan Strand, ins Reich des ruhmreichen Saltan Land, und das ersehnte Land erscheint, schon von ferne uns vereint. Die Gäste steigen an den Strand, König Saltan reicht ihnen Hand, und

hinter ihnen zum Palast

Flog unser Held dahin.

Sieht, ganz in Gold erstrahlend,

Zar Saltan sitzt im Saale

Auf dem Thron und mit der Krone,

Mit trübem Sinn im Angesichte.

Und die Weberin mit der Köchin,

Mit der Gevatterin, der alten Babaricha,

Sitzen um den Zaren herum —

Alle drei schauen mit vier Augen.

Zar Saltan setzt die Gäste

An seinen Tisch und fragt sie:

„O ihr, liebe Gäste-Herren,

Seid ihr lange schon gereist? Wohin?

Ist es gut oder schlecht jenseits des Meeres?

Und welches Wunder gibt's auf Erden?"

Die Schiffsleute antworten:

„Wir umfuhren die ganze Welt;

Jenseits des Meeres lebt man nicht schlecht;

Doch auf Erden gibt es solch ein Wunder:

Eine Insel liegt im Meer,

Eine Stadt steht auf der Insel,

Jeden Tag geschieht dort ein Wunder:

Das Meer schwillt stürmisch an,

Beginnt zu kochen, erhebt Geheul,

Stürzt auf den leeren Strand,

Verspritzt sich in eiligem Lauf —

Und am Ufer bleiben stehen

Dreiunddreißig Recken,

In goldener Schuppe glühend,

Alle Jünglinge, schön anzusehen,

Tapfere Riesen, heldenhaft,

Alle gleich, wie aus einem Guss;

Der alte Onkel Tschernomor

Tritt mit ihnen aus dem Meer hervor

Und führt sie paarweise heraus,

Um jene Insel zu bewachen

Und den Wachdienst zu versehen —

Und keine Wache ist zuverlässiger,

Noch tapferer, noch fleißiger.

Und dort regiert Fürst Gwidon;

Er lässt dir seinen Gruß entbieten."

Zar Saltan staunt über das Wunder.

„Wenn ich nur am Leben bleibe,

Will ich die wunderbare Insel besuchen

Und beim Fürsten zu Gast sein."

Die Köchin und die Weberin

Sagen kein Wort — doch Babaricha

Lächelt und spricht:

„Wer kann uns damit verwundern?

Leute steigen aus dem Meer hervor

Und gehen als Wache umher!

Ob sie Wahrheit reden oder lügen,

Ein Wunder seh ich darin nicht.

Gibt es auf Erden solche Wunder?

Hier geht ein wahres Gerücht um:

Jenseits des Meeres lebt eine Zarentochter,

Von der man die Augen nicht wenden kann:

Tagsüber verdunkelt sie das Licht der Sonne,

Nachts erleuchtet sie die Erde,

Der Mond glänzt unter ihrem Zopf,

Und auf ihrer Stirn brennt ein Stern.

Und sie selbst ist so majestätisch,

Sie schreitet einher wie eine Pfauin;

Und wenn sie spricht,

Dann rieselt es wie ein plätscherndes Bächlein.

Man darf wohl mit Recht sagen:

Das ist ein Wunder, ja ein Wunder."

Die klugen Gäste schweigen:

Mit einer Frau wollen sie nicht streiten.

Über das Wunder staunt Zar Saltan —

Doch der Zarewitsch, obwohl er zürnt,

Schont die Augen

Seiner alten Großmutter:

Er summt um sie herum, kreist —

Setzt sich gerade auf ihre Nase,

Die Nase sticht der Recke:

Auf der Nase springt eine Blase auf.

Und wieder beginnt der Aufruhr:

„Helft, um Gottes willen!

Wache! Fangt ihn, fangt ihn,

Und drückt ihn tot, drückt ihn tot...

Warte nur! Warte einen Augenblick,

Warte noch!.." Doch die Hummel fliegt zum Fenster hinaus,

Und ruhig zu ihrem Bestimmungsort

Fliegt sie übers Meer davon.

Der Fürst wandelt am blauen Meer entlang,

Wendet den Blick nicht vom blauen Meer;

Sieh da — über den fließenden Wassern

Schwimmt ein weißer Schwan.

„Sei gegrüßt, mein schöner Fürst!

Warum bist du so still wie an einem trüben Tag?

Was hat dich betrübt?" —

Spricht sie zu ihm.

Fürst Gwidon antwortet ihr:

„Kummer und Sehnsucht verzehren mich:

Die Menschen heiraten; ich sehe,

Nur ich gehe unvermählt umher."

— „Und wen hast du denn im Auge?" — „Nun, auf Erden,

sagt man, lebt eine Zarentochter,

Von der man die Augen nicht wenden kann.

Tagsüber verdunkelt sie das Licht der Sonne,

Nachts erleuchtet sie die Erde —

Der Mond glänzt unter ihrem Zopf,

Und auf ihrer Stirn brennt ein Stern.

Und sie selbst ist so majestätisch,

Sie schreitet einher wie eine Pfauin;

Ihre Rede klingt so süß,

Als ob ein Bächlein plätscherte.

Doch ist das auch wirklich wahr?"

Der Fürst erwartet ängstlich die Antwort.

Der weiße Schwan schweigt

Und, nachdem er nachgedacht hat, spricht er:

„Ja! Solch ein Mädchen gibt es.

Doch eine Frau ist kein Handschuh:

Von der weißen Hand schüttelt man sie nicht ab,

Und hinter den Gürtel steckt man sie nicht.

Ich will dir mit Rat dienen —

Hör zu: Über all dies

Denke gründlich nach,

Damit du es später nicht bereust."

Der Fürst begann vor ihr zu schwören,

Dass es Zeit für ihn sei zu heiraten,

Dass er über all dies

Gründlich nachgedacht habe;

Dass er bereit sei, mit leidenschaftlicher Seele

Der schönen Zarentochter zuliebe

Von hier zu Fuß zu gehen,

Selbst über neunmal neun Länder hinweg.

Der Schwan seufzte hier tief auf

Und sprach: „Wozu so weit?

Wisse, dein Schicksal ist nah,

Denn jene Zarentochter — bin ich."

Da schlug sie mit ihren Flügeln,

Flog über die Wellen hinweg

Und ließ sich vom hohen Himmel

Am Ufer ins Gebüsch nieder,

Raffte sich auf, schüttelte sich

Und verwandelte sich in eine Zarentochter:

Der Mond glänzt unter ihrem Zopf,

Und auf ihrer Stirn brennt ein Stern;

Und sie selbst ist so majestätisch,

Sie schreitet einher wie eine Pfauin;

Und wenn sie spricht,

Dann rieselt es wie ein plätscherndes Bächlein.

Der Fürst umarmt die Zarentochter,

Drückt sie an seine weiße Brust

Und führt sie eilends

Zu seiner lieben Mutter.

Der Fürst fällt ihr zu Füßen, flehend:

„Hohe Herrin, meine Mutter!

Ich habe mir eine Frau erwählt,

Eine dir gehorsame Tochter,

Wir beide bitten um Erlaubnis,

Um deinen Segen:

Segne deine Kinder,

In Eintracht und Liebe zu leben."

Über ihren ergebenen Häuptern

Vergießt die Mutter mit der wunderwirkenden Ikone

Tränen und spricht:

„Gott möge euch, Kinder, belohnen."

Der Fürst zögerte nicht lange,

Ließ sich mit der Zarentochter trauen;

Sie lebten und gediehen,

Und warteten auf Nachwuchs.

Der Wind spielt übers Meer

Und treibt das Schiffchen voran;

Es eilt durch die Wellen dahin

Mit geblähten Segeln

Vorbei an der steilen Insel,

Vorbei an der großen Stadt;

Kanonen feuern vom Kai,

Befehlen dem Schiff anzulegen.

Die Gäste legen an der Pforte an.

Fürst Gwidon lädt sie zu Gast ein,

Er speist und tränkt sie

Und befiehlt, Auskunft zu geben:

„Womit treibt ihr, Gäste, Handel

Und wohin segelt ihr jetzt?"

Die Schiffsleute antworten:

„Wir umfuhren die ganze Welt,

Handelten nicht umsonst

Mit unerwähnter Ware;

Doch unser Weg führt uns weit:

Heimwärts nach Osten,

Vorbei an der Insel Buyan,

Ins Reich des ruhmreichen Saltan."

Der Fürst sprach damals zu ihnen:

„Gute Reise euch, Herren,

Über das Ozean-Meer

Zum ruhmreichen Zaren Saltan;

Doch erinnert ihn daran,

Euren Herrscher:

Er versprach, zu uns zu Gast zu kommen,

Doch bis heute hat er sich nicht aufgemacht —

Ich sende ihm meinen Gruß."

Die Gäste machen sich auf den Weg, doch Fürst Gwidon

Blieb diesmal zu Hause

Und trennte sich nicht von seiner Frau.

Der Wind rauscht fröhlich,

Das Schiff eilt fröhlich dahin

Vorbei an der Insel Buyan

Zum Reich des ruhmreichen Saltan,

Und das vertraute Land

Ist schon von ferne sichtbar.

Da traten die Gäste an Land.

Zar Saltan lädt sie zu Gast ein.

Die Gäste sehen: Im Palast

Sitzt der Zar in seiner Krone,

Und die Weberin mit der Köchin,

Mit der Gevatterin, der alten Babaricha,

Sitzen um den Zaren herum,

Alle drei schauen mit vier Augen.

Zar Saltan setzt die Gäste

An seinen Tisch und fragt sie:

„O ihr, liebe Gäste-Herren,

Seid ihr lange schon gereist? Wohin?

Ist es gut oder schlecht jenseits des Meeres?

Und welches Wunder gibt's auf Erden?"

Die Schiffsleute antworten:

„Wir umfuhren die ganze Welt;

Jenseits des Meeres lebt man nicht schlecht,

Doch auf Erden gibt es solch ein Wunder:

Eine Insel liegt im Meer,

Eine Stadt steht auf der Insel,

Mit golden gekuppelten Kirchen,

Mit Türmen und Gärten;

Eine Tanne wächst vor dem Palast,

Und darunter steht ein kristallnes Haus;

Ein Eichhörnchen lebt darin, zahm,

Und was für ein Wunderwesen!

Das Eichhörnchen singt Liedchen

Und knabbert immer Nüsse;

Doch die Nüsse sind nicht gewöhnlich,

Die Schalen sind aus purem Gold,

Die Kerne — reiner Smaragd;

Das Eichhörnchen wird gehegt und gepflegt.

Dort gibt es noch ein anderes Wunder:

Das Meer schwillt stürmisch an,

Beginnt zu kochen, erhebt Geheul,

Stürzt auf den leeren Strand,

Verspritzt sich in eiligem Lauf,

Und am Ufer erscheinen

In Schuppen, wie Feuer glühend,

Dreiunddreißig Recken,

Alle tapfere Schönlinge,

Junge Riesen, heldenhaft,

Alle gleich, wie aus einem Guss —

Mit ihnen der Onkel Tschernomor.

Und keine Wache ist zuverlässiger,

Noch tapferer, noch fleißiger.

Und der Fürst hat eine Frau,

Von der man die Augen nicht wenden kann:

Tagsüber verdunkelt sie das Licht der Sonne,

Nachts erleuchtet sie die Erde;

Der Mond glänzt unter ihrem Zopf,

Und auf ihrer Stirn brennt ein Stern.

Fürst Gwidon regiert jene Stadt,

Jeder preist ihn eifrig;

Er lässt dir seinen Gruß entbieten,

Doch er macht dir Vorwürfe:

Er habe versprochen, zu uns zu Gast zu kommen,

Doch bis heute habe er sich nicht aufgemacht."

Da konnte der Zar nicht länger widerstehen,

Befahl, eine Flotte auszurüsten.

Doch die Weberin mit der Köchin,

Mit der Gevatterin, der alten Babaricha,

Wollen den Zaren nicht ziehen lassen,

Die wunderbare Insel zu besuchen.

Doch Saltan hört nicht auf sie

Und bringt sie sofort zur Ruhe:

„Bin ich etwa ein Zar oder ein Kind? —

Spricht er im Ernst: —

Heute noch breche ich auf!" — Da stampfte er auf,

Ging hinaus und schlug die Tür zu.

Unter dem Fenster sitzt Gwidon,

Schaut schweigend aufs Meer:

Es rauscht nicht, es brandet nicht,

Nur kaum, kaum zittert es,

Und in der azurblauen Ferne

Erschienen Schiffe:

Über die Ebenen des Ozeans

Fährt die Flotte des Zaren Saltan.

Fürst Gwidon sprang da auf,

Rief laut heraus:

„Meine liebe Mutter!

Du, junge Fürstin!

Schaut doch dorthin:

Unser Vater kommt hierher."

Die Flotte nähert sich bereits der Insel.

Fürst Gwidon richtet das Fernrohr:

Der Zar steht auf dem Deck

Und schaut durch das Fernrohr auf sie;

Mit ihm die Weberin und die Köchin,

Mit der Gevatterin, der alten Babaricha;

Sie staunen

Über das fremde Land.

Gleichzeitig feuerten die Kanonen;

In den Glockentürmen läutete es;

Gwidon selbst geht zum Meer;

Dort empfängt er den Zaren

Mit der Köchin und der Weberin,

Mit der Gevatterin, der alten Babaricha;

In die Stadt führte er den Zaren,

Ohne ein Wort zu sagen.

Alle gehen nun in die Säle:

An den Toren glänzen Panzer,

Und vor den Augen des Zaren stehen

Dreiunddreißig Recken,

Alle Jünglinge, schön anzusehen,

Tapfere Riesen, heldenhaft,

Alle gleich, wie aus einem Guss,

Mit ihnen der Onkel Tschernomor.

Der Zar trat auf den weiten Hof:

Dort unter der hohen Tanne

Singt das Eichhörnchen ein Liedchen,

Knabbert eine goldene Nuss,

Zieht einen kleinen Smaragd heraus

Und legt ihn in ein Säckchen;

Und der große Hof ist bestreut

Mit goldener Schale.

Die Gäste weiter — eilig

Schauen — was denn? Die Fürstin — ein Wunder:

Unter dem Zopf glänzt der Mond,

Und auf der Stirn

Der Stern brennt;

Doch sie selbst, so majestätisch,

Schreitet einher wie eine Pfauin,

Und führt ihre Schwiegermutter mit.

Der Zar schaut hin – und erkennt sie...

In ihm erwacht das wilde Herz!

„Was seh ich? Was ist das?

Wie!" – und der Atem stockt ihm...

Der Zar bricht in Tränen aus,

Umarmt die Zarin,

Und den Söhnlein, und die junge Frau,

Und alle setzen sich zum Tisch;

Und das fröhliche Fest beginnt.

Doch die Weberin samt der Köchin,

Samt der Gevatterin, der alten Babaricha,

Sind in alle Winkel geflohen;

Mit Mühe fand man sie dort.

Da gestanden sie alles ein,

Reuten sich, brachen in Schluchzen aus;

Der Zar, ob solcher Freude,

Ließ alle drei nach Hause ziehen.

Der Tag verging – den Zaren Saltan

Legte man halb betrunken schlafen.

Ich war dort; trank Honig und Bier –

Und benetzte nur meinen Schnurrbart.