Später baute der Fürst sodann
für das Eichhorn ein Kristallhaus an,
stellte Wachen davor bereit
und befahl einem Schreiber zeit,
streng Buch zu führen über jede Nuss.
Dem Fürsten Gewinn, dem Eichhorn Gruss.
Der Wind spielt über das Meer so frei
und treibt das Schiffchen mancherlei;
es eilt durch Wellen, schnell und kühn,
mit gehissten Segeln grün,
vorbei an der steilen Insel Rand,
vorbei an der großen Stadt am Strand:
Kanonen donnern vom Kai herab,
befehlen dem Schiff, zu suchen Lab.
Die Gäste legen an beim Tor,
Fürst Gwidon lädt sie ein zuvor,
speist und tränkt sie freundlich sehr
und fragt nach ihrer Fahrt und mehr:
„Welchen Handel treibt ihr, Gäste mein,
und wohin soll eure Reise sein?"
Die Schiffer geben Antwort klug:
„Wir umfuhren den Erdenzug,
handelten mit Pferden gut,
immer Don-Stuten, hochgemut;
nun ist unsere Frist vorbei,
und der Weg liegt fern und neu:
vorbei an der Insel Buyan,
ins Reich des ruhmreichen Saltan."
Da spricht der Fürst zu ihnen bald:
„Gute Reise, edler Wald,
über das Ozean-Meer so weit
zum ruhmreichen König jederzeit;
sagt ihm: Fürst Gwidon sendet hier
seinen Gruß und Respekt zu dir."
Die Gäste neigten sich zum Dank,
gingen hinaus auf ihren Gang.
Zum Meer eilt der Fürst geschwind,
dort schwimmt der Schwan im Wind.
Der Fürst fleht: Die Seele begehrt,
zieht und trägt ihn, unversehrt...
Sofort bespritzt sie ihn erneut,
im Nu verwandelt er sich heut:
zur Fliege ward der Fürst gemacht,
flog davon mit leiser Pracht,
zwischen Meer und Himmelszelt
aufs Schiff – und schlüpft in eine Spalt.
Fröhlich rauscht der Wind im Spiel,
fröhlich eilt das Schiff zum Ziel,
vorbei an der Insel Buyan Strand,
ins Reich des ruhmreichen Saltan Land –
und das ersehnte Land erscheint,
schon von ferne uns vereint;
die Gäste steigen an den Strand,
König Saltan reicht ihnen Hand,
und hinter ihnen ins Schloss hinein
flog unser Held, so kühn und fein.
Er sieht: ganz strahlend golden klar,
sitzt König Saltan offenbar
auf Thron und Krone, prächtig anzusehn,
mit trübem Sinn auf seinem Gehn.
Doch die Weberin mit Babaricha
und der schielenden Köchin sicherlich
sitzen rings um den König dort,
blicken wie böse Frösche fort.
König Saltan setzt die Gäste ein
an seinen Tisch und fragt allein:
„Oh ihr Gäste, hohe Herrn,
wart ihr lange weg so gern? Wohin?
Geht es gut jenseits des Meers, oder schlecht,
und welches Wunder sah das Recht?"
Die Schiffer geben Antwort frei:
„Wir umfuhren die Welt dabei;
jenseits des Meers lebt man nicht schlecht,
doch ein Wunder gibt's, das recht:
Eine Insel liegt im Meer so breit,
darauf eine Stadt in Herrlichkeit
mit goldenen Kuppeln, Kirchen fein,
mit Türmen und Gärten, reich und rein;
eine Tanne wächst vor dem Palast,
darunter ein Kristallhaus fast;
dort lebt ein zahmes Eichhorn klein,
welch ein Künstler mag es sein!
Es singt Lieder, froh und laut,
knabbert Nüsse, wohlgebaut;
doch die Nüsse sind nicht gewöhnlich,
ihre Schalen goldig schönlich,
und der Kern – rein Smaragd grün;
Diener hüten dieses Tier,
dienen ihm auf mancher Art,
ein Beamter ist bewahrt,
führt streng Buch über jede Nuss;
das Heer erweist ihm Ehr und Gruss;
aus den Schalen prägt man Geld,
bringt es in Umlauf durch die Welt;
Mädchen schütten Smaragde rein
in Speicher, tief und fein;
alle auf der Insel sind so reich,
kein Mangel, überall Palastgleich;
und darin wohnt Fürst Gwidon;
er entbietet dir seinen Lohn."
König Saltan staunt ob dieser Kunde.
„Wenn ich lebe noch zur Stunde,
werd ich jene Insel seh'n,
bei Gwidon zu Gast einmal gehn."
Doch die Weberin, die Köchin auch,
mit der Schwägerin Babaricha im Brauch,
wollen ihn nicht ziehen lassen,
die wunderbare Insel zu fassen.
Leise lächelnd, hinterrücks,
spricht die Weberin voll Tricks:
„Was ist daran denn wunderbar?
Ein Eichhorn knabbert Steine gar,
wirft Gold in Haufen hier und dort,
scharret Smaragde an jeden Ort;
damit überraschst du uns nicht,
ob Wahrheit oder Lüge spricht.
Es gibt ein andres Wunder weit:
Das Meer schwillt auf in Heftigkeit,
kocht empor, erhebt Geschrei,
stürzt ans leere Ufer frei,
ergießt sich in lautem Lauf,
und am Strand erscheinen drauf,
in Schuppen, glühend wie Feuerbrand,
dreiunddreißig Recken hand,
alle schön und tapfer sehr,
junge Riesen, stolz und hehr,
alle gleich, wie ausgewählt,
mit ihnen Onkel Tschernomor bestellt.
Das ist ein Wunder, wahrlich groß,
man kann es rühmen ohne Stoß!"